Lass mich leben
Ich habe hunderttausend Jahre vor mich hingeträumt
und auf diese sanfte Weise meinen Zug versäumt.
Das Leben ist wie Schatten so dahin gehuscht
und hat mir schwarze Schatten ins Gesicht getuscht.
Meine Augen können lächeln wie am ersten Tag
obwohl ich heute oftmals nur noch weinen mag.
Ich verdränge meine Ängste, ich verberge meinen Frust,
und wenn du mit mir Tango tanzt, bin ich die reine Lust.
Im Innern bin ich Träumer, nach außen Realist,
ich will, dass du mich öffnest und mir Erlösung bist.
Küss meine alten Hände und mach mich wieder jung,
ich brauche frisches Blut und jugendlichen Schwung.
Ich bin ein Phänomen, ein Stück Basalt,
ich habe tausend Namen und bin genauso alt.
Meine Freunde sind gestorben, ihre Schlösser sind verwaist.
Ihre Feuer sind erloschen, ihre Flüsse sind vereist.
Lass mich leben, lieben und verlieren.
Alles, was ich bin, steht in den Sternen. Klar?
Ich bin die Stadtstrassen runter und die Bergpfade rauf.
Ich war locker flockig eingestimmt und immer munter drauf.
Irgendwann hat irgendwer mich irgendwie kaputt gemacht,
an den Marterpfahl gebunden und mich hämisch ausgelacht.
Auf dem Rücken hat mich wer in deiner Stadt gefunden
und meine blutverschmierten Fesseln wieder losgebunden.
Ohne Argwohn habe ich den Retter angelacht
und natürlich nicht an Folter oder Tod gedacht.
Doch das Leben dreht sich schneller als man denken kann,
wenn die Sonne sich verfinstert, sind die Schläfer dran.
Ich sitz im Keller der Gefühle und ich spüre dich,
aber trotzdem ist die Kälte hier ganz fürchterlich.
Hier unten wird das Leben nicht mit Gold verkront,
Weil jeder nur auf nacktem Stein und einsam wohnt.
Ich komme aus dem Tagestrott einfach nicht mehr raus
und reiß an meinen Haaren wie der Sturm an meinem Haus.
Lass mich leben ....
Ich sehne mich nach Blumen und nach Sonnenlicht,
doch wie ich mich auch mühe, ich bekomm es leider nicht.
Den Riegel an der Tür bedient mein größter Feind.
Er weidet sich am Leid der andern, hat noch nie geweint.
Über ihm sind andere und darüber noch mehr,
die feiern täglich nur sich selbst und spielen großer Herr.
Ich pflanze in die Kellerecken zärtlich grüne Gräser,
schaue jeden Abend tief in Rotweingläser.
Heute nicht und morgen nicht, ich sehe nicht das Ende,
ich laufe immer wieder vor die festgefügten Wände.
Nachts werd ich im Schlaf über Schläuche aufgefüllt,
tags wird ich von abgebrühten Schergen angebrüllt.
Aus diesem müden Zustand kann ich mich nicht lösen,
ich liege auf dem Rücken und gehöre zu den Bösen.
Gute Menschen, glaub ich, machen mehr aus sich,
wahrscheinlich weil ich böse bin, gelingt mir sowas nicht.
Lass mich leben ....
Werner Vogt, Vocals
Udo Lummer, Drumprogrammierung, Percussion, Bass, Guitars,alle Synthesizer
© 2007 by Klangmix-Verlag
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