Udo Lummer, Jahrgang 1946, war einer der ersten aus Bielefeld,
der professionell mit seiner Stratocaster in den Clubs zwischen Kaiserslautern
und Hamburg unterwegs war, als sich hier gerade die ersten Amateure
zu formieren begannen.

Er war ein Musiker des frühen Beat, den man heute in Kennerkreisen
unter die Top Ten der deutschen Leadgitarristen der sechziger Jahre einreiht,
wie Klitsch in seinem Buch über die Zeit "Shakin`all over" auf Seite 367 ausführt.
Einer der ganz frühen Kunden des legendären Fritz Rost, dessen Boxen heute
schon wie Antiquitäten gehandelt werden.

Seine Bands waren die Shatters, die Green Onions, die MGs und Skyline.
Kurzzeitig hat er sich mit dem legendären Mike Warner in der Band Blue Phönix
zusammengetan und seine umfangreiche Repertoirekenntnis und sein Ruf
erlaubten ihm darüber hinaus zahlreiche spontane Auftritte mit vielen anderen
Bands der Region.

Er hat sich den Blues sozusagen aus den ostwestfälischen Gullys gefingert
und in Bielefeld jahrelang direkt unterm Dach ohne eigene Tür
und Klingel gelebt hat. Wer zu ihm wollte, musste unten auf der Straße
möglichst laut "Udo!" brüllen, um eingelassen zu werden.

Er war der Kopf der Green Onions - Ollie schwärmt heute noch von seinem urbanen
Fingersatz - und hat es auch später mit der von George Kochbeck gegründeten
Jazz-Rock-Formation Skyline in das von den Brüdern Freeman editierte Szene-Lexikon
"The crack in the cosmic egg" geschafft.

Er hat sich mit der Kakadu-Combo eingelassen und die Debütsingle "In der Milchbar"
komponiert, getextet und produziert.

Dass er auch ein Meister am Mischpult ist, wissen nicht viele, aber die wenigen
rollen immer wieder über die staubigen Landstraßen des Kreises Gütersloh,
um sich in der rustikalen Atmosphäre des Lummerschen Landsitzes im Haller
Ortsteil Bokel ihre Songs veredeln zu lassen.

Es geht nicht mehr um olympische Plätze, um den Run aufs Treppchen oder Meriten
von Vorgestern. Der Ball muss mit möglichst wenigen Schlägen ins Zentrum
geschlagen werden. Allein das zählt, nicht nur beim Golf, sondern überhaupt
und erst Recht, wenn man sich mit populärer Musik beschäftigt.
Nichts geht sofort, weiß Udo, aber wenn man sich reinkniet, geht alles.

Seit einigen Jahren arbeitet er nun mit Werner Vogt an dem Projekt Klangmix
und über die Jahre hinweg hat sich diese neue Musik künstlerisch so weit emanzipiert,
dass es an der Zeit scheint, sie einem größeren Publikum vorzustellen.